September 2026
Der Jakobsweg ist derzeit in aller Munde: In Büchern, Zeitungen und vielen Gesprächen ist er ein beliebtes Thema. Immer mehr Menschen wollen ihn nicht nur beschreiten, sondern auch mehr über ihn erfahren. Was macht diesen Weg so anziehend? Was suchen Menschen, die auf dem Camino pilgern?
Bis Ende August 2026 sind bereits knapp 400.000 Pilger in Santiago de Compostela angekommen. Das sind 10 Prozent mehr als im Jahr 2025.
Das Jahr 2027 ist ein sogenanntes Heiliges Jahr, das immer dann begangen wird, wenn der Jakobstag am 25. Juli auf einen Sonntag fällt. 2027 wird aller Voraussicht nach alle bisherigen Rekorde übertreffen.
Zurzeit arbeite ich an meinem nächsten Buch über den Jakobsweg und das Pilgern. Um das Thema nicht nur aus Quellen, sondern auch aus eigener Erfahrung heraus zu erfassen, werde ich im September eine Woche lang auf dem Via Jacobi in der Schweiz unterwegs sein. Diese «Recherchewanderung» soll dem Schreiben unmittelbare Erfahrungen beisteuern: aus dem Gehen, aus den Orten, aus den Gesprächen mit anderen Pilgern und aus den Erlebnissen unterwegs. Ich bin gespannt, mehr über das Pilgern und die Beweggründe der Pilger zu erfahren. Im Februar nächsten Jahres, bevor die Saison im Heiligen Jahr so richtig losgeht, folgt dann eine längere Pilgerreise direkt nach Santiago de Compostela.
Juli 2026
Mein neues Buch ist am 27. Juli 2026 erschienen: «… über Basel und seine Geschichten. Ein Porträt meiner vielseitigen Wahlheimat». Ab sofort ist es im Handel und über «Books on Demand» erhältlich. Mehr zu diesem Buch auf dieser Seite.
April 2026
Vor fünf Jahren, am 6. April 2021, ist der von mir sehr geschätzte Theologe Hans Küng (1928-2021) gestorben. Leider bin ich ihm nie persönlich begegnet, habe aber einige seiner zahlreichen Bücher gelesen. Was mich an seinen Büchern und an seiner Person fasziniert, ist sein scharfsinniger Verstand, seine differenzierte Weltsicht, seine Toleranz und seine religiöse Weite. Küng war ein Schweizer Theologe, katholischer Priester und Schriftsteller. Von 1960 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1996 war er Professor für Ökumenische Theologie an der Universität Tübingen. Er erforschte die Weltreligionen wie kaum ein anderer Theologe vor ihm und war der Initiator der «Erklärung zum Weltethos». In dieser Erklärung haben sich erstmals Vertreter aller Religionen auf die Grundsätze eines Weltethos, also eines Grundbestandes ethischer Normen, geeinigt.
Ein wichtiges Beispiel für die Gemeinsamkeiten der Religionen ist das Prinzip der «Goldenen Regel». Alle Kulturen und Religionen kennen dieses Prinzip der Gegenseitigkeit. Positiv ausgedrückt heißt es zum Beispiel im Neuen Testament: «Alles, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut auch ihr ihnen.» Oder negativ ausgedrückt heißt es zum Beispiel im Hinduismus: «Man soll sich anderen gegenüber nicht so verhalten, dass es einem selbst unangenehm ist.»
In seinem «Projekt Weltethos» aus dem Jahr 1990 schreibt Küng:
Was würde es für die Welt von morgen bedeuten, wenn die religiösen Führer aller grossen und auch kleinen Religionen sich heute entschlossen zu ihrer Verantwortung für Frieden, Nächstenliebe und Gewaltlosigkeit, für Versöhnung und Vergebung aussprächen? Wenn sie, von Washington bis Moskau, von Jerusalem bis Mekka, von Belfast bis Teheran, von Amritsar bis Kuala Lumpur, statt Konflikte mitzuschüren, mithelfen würden, Konflikte zu lösen? Alle Religionen der Welt haben heute ihre Mitverantwortung für den Weltfrieden zu erkennen. Und deshalb kann man nicht genügend die These wiederholen, für die ich überall in der Welt wachsendes Verständnis gefunden habe: Kein Friede unter den Nationen ohne einen Frieden unter den Religionen, kurz: kein Weltfriede ohne Religionsfriede!
Hans Küng: Denkwege. Ein Lesebuch. Piper Verlag München, 1992
Mehr von und über Hans Küng in meinem Buch «… über Gott und die Welt».
März 2026
Der Basler Bach Chor und das Collegium Musicum Basel führen Francis Poulencs Gloria und Stabat Mater am Freitag, dem 6. März, um 19.30 Uhr im Stadtcasino Basel auf. Zwei Werke, die im Konzertsaal besonders eindrücklich wirken und Poulencs Ausdruckskraft unmittelbar erfahrbar machen.
Francis Poulenc wurde 1899 in Paris geboren, und seine Mutter öffnete ihm früh die Welt des Klaviers. Die schimmernden Farben von Debussy und Ravel begleiteten seine Jugend, doch sein eigener Ton wuchs jenseits aller Regeln – vielleicht auch, weil er die Aufnahmeprüfung am Pariser Konservatorium nicht bestand. Eine Wallfahrt nach Rocamadour wurde später zu einem stillen Wendepunkt und führte zu Werken von großer Innigkeit wie Stabat Mater und Gloria. Poulenc lebte mit offenen Gefühlen und suchte Nähe, und in seiner Musik klingt diese Mischung aus Wärme, Humor und unverwechselbarer Originalität bis heute nach.
Poulenc hatte das Komponieren nie von Grund auf gelernt, doch wagte er sich im Laufe seines Lebens an fast jedes Genre (er schrieb Kammermusik, Opern, Bühnenmusiken, Ballette, Lieder und sakrale Musik). Er arbeite, sagte er, instinktiv und nicht nach Regeln, und er sei stolz darauf, kein festes System zu besitzen. Zur geistlichen Chormusik fand Poulenc allerdings relativ spät; nachdem er zunächst gar kein Interesse für Kirchenmusik gezeigt hatte, wurden die Weichen für sein Schaffen 1936 durch den tragischen tödlichen Unfall seines engen Freundes Pierre-Octave Ferroud neu gestellt. Die Nachricht vom Tod seines Freundes erreichte Poulenc während eines Urlaubs in Frankreich; sie erschütterte ihn so sehr, dass er sich zu einer Wallfahrt nach dem nahe gelegenen Rocamadour zur berühmten Statue der Schwarzen Madonna, der Vierge Noire, entschloss. Die Erfahrungen dort berührten ihn so tief, dass sie eine neue Annäherung an den katholischen Glauben einleiteten (nach dem Tod seines Vaters 1917 hatte Francis Poulenc sich ernsthaft von der Kirche distanziert) und den Grundstein für eine nachhaltige und fruchtbare Auseinandersetzung mit sakraler Chormusik legten. Bereits ein Woche nach seiner Rückkehr aus Rocamadour schrieb er seine Litanies à la Vierge Noire. 1936 entstand noch eine Messe, die er seinem Vater widmete. 1950 schuf er Stabat Mater, 1959 komponierte er Gloria und 1961 schloss er die Sept Répons des ténèbres ab. Über den Stellenwert, den diese Chormusik in seinem Gesamtwerk einnimmt, hat Poulenc sich einmal selbst, kurz vor seinem Tod im Jahre 1963, geäußert: „Ich glaube, ich habe den besten und glaubwürdigsten Aspekt meiner selbst in meine Chormusik eingebracht. Nehmen Sie mir meine Unbescheidenheit nicht übel, aber ich habe das Gefühl, auf diesem Gebiet wahrhaftig etwas Neues beigetragen zu haben, und ich möchte fast annehmen, dass man sich in fünfzig Jahren, wenn dann überhaupt noch jemandem an meiner Musik gelegen ist, eher für das Stabat Mater als für die Mouvements perpétuels interessieren wird.“
Quelle: Bayrische Staatsoper https://www.staatsoper.de/biographien/poulenc-francis
Februar 2026
Momentan beschäftige ich mich intensiv mit meiner Wahlheimat Basel. Menschen, die in Basel geboren und aufgewachsen sind, haben mitunter ein zwiespältiges Verhältnis zu ihrer Heimatstadt. Sie lieben wahrscheinlich ihren Garten, ihren Balkon, ihre Angehörigen oder ihr Wohnviertel. Aber lieben sie ihre Heimatstadt? Nicht selten werden Vorbehalte und Nörgeleien geäußert. Es ist nicht schwer, Dinge zu finden, über die man schimpfen kann. Der Basler Schriftsteller Alain Claude Sulzer (*1953) schreibt in seinem kleinen Büchlein «Basel» (Seite 103):
Der Mensch ist nicht immer so, wie man ihn erwartet. Genauso ergeht es mir manchmal mit Basel. Dann staune ich über meine Vorurteile und freue mich darüber, im Altbekannten Unbekanntes zu entdecken. Und wenn es nur darum geht, feststellen zu dürfen, dass Fremde die Stadt, von der wir gerade etwas abfällig sprachen und dachten, nicht genug loben können, ja, sogar den für sie unerfüllbaren Wunsch aussprechen, hier leben zu wollen. Gewöhnung erzeugt Arroganz und Ignoranz; da kann die Begeisterung Fremder ein Mittel gegen die schnöde Verurteilung dessen sein, was man zu kennen glaubt.
Claude Sulzer: Basel. Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg, 2013
Januar 2026
Im Januar las ich das sehr interessante Buch «Die Wahrheit über Eva. Die Erfindung der Ungleichheit von Frauen und Männern» von Carel van Schaik und Kai Michel. Das Buch schildert auf 700 Seiten, wie diese Ungleichheit erfunden wurde. Die Autoren liefern aber auch tiefe Einblicke in die Religionsphilosophie und -geschichte. Zwei Beispiele (Seite 405):
Die Bibelautoren, vor allem aber die christliche Kirche haben es geschafft, den Monotheismus als einzig wahre Religion erscheinen zu lassen – oder zumindest als gewaltigen Fortschritt. Was diese verdrängt habe, sei eben «primitiv» gewesen, nur naiver Volksglauben, also kaum mehr als ein dumpfer Geisterfurcht angetriebener Aberglaube – eben keine Religion! Doch das ist nur Ideologie, das Produkt der totalitär gewordenen Herrschaftsreligion.
Wenn man wie wir Religion als eine Form der Lebensbewältigung versteht, ist klar: Je vielfältiger die Herausforderungen, je vielfältiger die Gesellschaft, umso vielfältiger die religiösen Formen, die sich entwickeln. Dass es zu genderspezifischen Ausgestaltungen kommt, liegt auf der Hand. Es gibt kein Richtig oder Falsch, Hauptsache, es hilft!
Carel van Schaik & Kai Michel: Die Wahrheit über Eva. Die Erfindung der Ungleichheit von Frauen und Männern. Rowohlt Verlag, Hamburg, 2020
Mehr von und über Carel van Schaik und Kai Michel in meinem Buch «… über Gott und die Welt».
